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2 Filme über Reichtum

Jamie Johnson wird in seinem Leben niemals arbeiten müssen. Genau wie sein Vater und dessen Vater. Sie alle sind Nachkommen des Gründers von Johnson&Johnson ein Unternehmen das letztes Jahr einen Gewinn von über 10 Milliarden Dollar aufwies.
Jamie macht sich aufgrund seiner bevorstehenden Volljährigkeit und der damit verbundenen Megaparty Gedanken über seinen Reichtum. Er interviewte für sein Erstlingswerk die jungen zukünftigen Erben superreicher Dynastien, darunter beispielsweise Ivanka Trump oder Georgina Bloomberg.
“Born rich” ist eine gelungene Sozialstudie im Millieu der Superreichen und wurde zurecht für 2 Emmys nominiert.
Angucken könnt ihr sie auf youtube: Born rich
Was aus den Protagonisten 10 Jahre danach geworden ist könnt ihr hier nachlesen.

Der weitaus interessantere Film von Jamie Johnson ist jedoch der 2006 erschienene Film “the one percent”. Dieser Film ist der konsequente Nachfolger von “Born rich” und beschäftigt sich auf ungewöhnliche Weise mit der immer weiter auseinander klaffenden Armutsschere. Johnson stehen dank seines Namens einige Türen offen, die Normalsterblichen ansonsten verborgen bleiben. Er entlarvt beispielsweise den Ökonom und Nobelpreisgewinner Milton Friedman als engstirnigen Diskussionspartner, der jeden Widerspruch mit “Das ist doch Sozialismus” unterdrücken will. Am Ende bricht er sogar das Interview ab. Schon dafür hätte Jamie Johnson in meinen Augen einen Oscar verdient gehabt.
Anschauen könnt ihr euch “the one percent” hier

Ziemlich religiöse Freunde

Saudi Arabien ist eines der rückständigsten Länder der Welt.
Eine anachronistische Monarchie, die Frauen verbietet Auto zu fahren und Atheisten als Terroristen klassifiziert.
Dieses Land auf der arabischen Halbinsel ist DAS Zentrum des islamischen Fundamentalismus.
Und gleichzeitig einer der wichtigsten Partner der USA…

Die spezielle Beziehung zwischen Washington und Riad besteht seit dem Ende des zweiten Weltkriegs und beruht auf einem einfachen Deal: Die USA garantieren die Sicherheit der Saudis, und im Gegenzug haben sie einen verlässlichen Öllieferanten. Eine klassische Zweckbeziehung könnte man meinen. Doch die persönliche Beziehung König-Präsident war immer eine sehr respektvolle, fast schon freundschaftliche. So gibt es beispielsweise ein Foto auf dem George W. Bush Händchen hält mit Abdullah. Ein Bild wie aus einer Fernsehwerbung für Toleranz des DFB. Más Integración!

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Es gab in dieser innigen Beziehung schon einige Eiszeiten, wie etwa die Ölkrise 1973 oder die post 9/11 Phase. Doch seitdem Barack Obama Präsident ist, ist das Problem ein strukturelles. Er ist den Saudis zu zögerlich, zu diplomatisch. Zu schwach.
Die Sorgen der Israelis bezüglich Obamas diplomatische Iran Strategie sind wohlbekannt. Die fast noch größere Angst der Saudis
wird von den Medien hingegen nur am Rande erwähnt.
“Die vereinigten Staaten werden einen Deal mit Iran aushandeln und unsere Position schwächen” ist eine extreme Position im Königreich. Eine weniger extreme ist, dass die USA sich mehr dem asiatischen Raum zuwenden werden, und damit ihre Schutzfunktion nicht mehr wahrnehmen können.
Konnte sich König Abdullah bei Bush noch darauf verlassen, dass der gemeinsame Feind Mahmud Ahmadinedschad hieß, so ist das Verhältnis seit der Wahl Obamas differenzierter und pragmatischer.
Ein Atomdeal mit Iran und der arabisch-israelische Friedensprozess sind die einzigen Möglichkeiten für Obama doch noch als President mit einer gelungenen Aussenpolitik in der Retrospektive wahrgenommen zu werden.
Die Saudis drohen schon damit, sich auch Nuklearwaffen zu besorgen, sollte Iran eine Atomwaffe entwickeln.

Zeig mir deine Freunde, und ich sag die wer du bist..

Melancholisch erinnert sich König Abdullah an die Zeiten unter Präsident Bush zurück. Zwei gläubige Männer die ihre Befehle direkt von Gott erhielten. Auch wenn Sie ihn anders nannten, so verband er sie doch. Sie wussten beide wer gut und böse war. Sie töteten beide für Gott. Zwei Auserwählte, in den eigenen Augen.
Heute ist Bush mit dem über 90. Jährigen König privat immernoch befreundet. Er hat ihn sogar gemalt:

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Der Anti-Ratzinger

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Schon sein selbstgewählter Papstname war eine Besonderheit.
Erstmals seit Jahrhunderten gibt es keinen Papst, der eine Zahl im Namen trägt. Jorge Mario Bergoglio, wie der Papst mit bürgerlichem Namen heisst, wählte, in Anlehnung an Franz von Asissi, den schlichten Namen “Franziskus”.
Sein Vorgänger, Joseph Ratzinger, war da nicht so einfallsreich, und entschied sich für einen Namen den vor ihm schon 15 Päpste wählten: Benedikt der XXVI.
Man kann nur darüber munkeln, ob Sich Franziskus Namensgebung bewusst so von der seines Vorgängers unterscheidet. Seine Taten, und vor allem Worte, tun es allemals.
Selten bekam ein neues Gesicht auf der Weltbühne, in so kurzer Zeit so viel Aufmerksamkeit, wie Papst Franziskus.
In seinen ersten neun Monaten äußerte er sich zu fast allen wichtigen Themen unserer Zeit, wie: Armut, Gerechtigkeit, Transparenz, Globalisiserung, die Rolle der Frau, oder die Verlockungen von Macht.
Obwohl Franziskus keine Armee oder wirkliche Macht besitzt, können viele Staatschefs von seinem Einfluss nur träumen.
Egal ob er einen durch Krankheit entstellten Mann küsst, oder einer Muslimin die Füße wäscht, diese Bilder erzeugen ein öffentliches Echo, das weit über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus hallt. Selbst Obamas Instagram Bilder können da nicht mithalten.
Er hat innerhalb kürzester Zeit der katholischen Kirche die Integrität, die man als moralische Instanz braucht, und die unter seinem deutschen Vorgänger fast gänzlich verloren gegangen ist, zurückgewonnen.
Schon das dürfte fast als Wunderbeweis für seine Seligsprechung reichen.
Ratzinger viel vor allem durch seinen Hang zu Fettnäpfchen und Pomp auf. So bleiben aus seiner Papstzeit vor allem seine roten Schuhe in Errinerung.
Franziskus verzichtet auf all diesen, von seinem Vorgänger so sehr geliebten, Luxus. Er tauschte das Mercedes Papamobil gegen einen Ford Focus ein, und anstatt eines vergoldeten Kreuzes trägt er ein schlichtes, aus Eisen. Auch die roten Schuhe gehören der päpstlichen Vergangenheit an. Der Papst hat nicht so sehr die Botschaft der Kirche verändert, diese ist in weiten Teilen immer noch so konservativ wie eh und je, vielmehr hat er den Klang der katholische Kirche radikal verändert.
Und der Klang, beziehungsweise das “Wie”, sind in einer Kirche, die sich im Wesentlichen auf Symbole stützt, umso wichtiger.
Aufgrund dessen, das Franziskus der Kirche alten Glanz (oder im wörtlichen Sinn, eigentlich das Gegenteil) zurück gebracht hat, wird er wie ein Rockstar gefeiert. Zu seinen öffentlichen Auftritten pilgern Millionen von frenetischen Anhängern, in Italien ist “Francesco” der populärste Vorname für männliche Neugeborene, und im Dezember letzten Jahres wurde er zur “Time Person of the year” erklärt.
Viele kirchliche Traditionalisten sehen die Sympathie, die Franziskus in säkularen Medien entgegengebracht wird, äußerst kritisch, da sie den Verdacht hegen, er wolle ihren Glauben aus Popularitätsgründen verwässern. Ein weiteres Indiz dafür sehen sie darin, dass in seiner ersten Mahnrede das Wort Vergebung 32 Mal vorkam, “Abtreibung” hingegen nur einmal.
Doch, dass der Papst kein allzu progressiver Geist zu sein scheint, lässt sich daran erkennen, dass er an der nur männlichen Priesterschaft, der Abtreibung, oder an der Definition der Ehe zwischen Mann und Frau nicht rüttelt.
Wenn Franziskus darauf aufmerksam macht, dass die Ärmsten 50% nur über 1% der weltweiten Besitztümer verfügen, so hegt er bestimmt keine marxistischen Gedanken, sondern steht voll in der Linie seiner Vorgänger, die auch dazu aufriefen nach dem Vorbild Jesus an die ärmsten zu denken.
Nur Franziskus macht das in einem neuen Tonfall.
Dieser Tonfall bringt die Chance mit sich, dass der Papst wieder zu einer moralischen Instanz für konservative und progressive, für Kapitalisten und Sozialisten gleichermaßen werden kann.
Die Menschheit braucht, gerade in einem Zeitalter der Individualisierung, diese Instanzen.

Rettet die Republikaner!

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Nach der verlorenen Wahl 2012 hatte man für kurze Augenblicke den Eindruck, dass sich die Republikaner von einer teilweise rechten Splittergruppierung, wieder in die (konservative) Mitte der Gesellschaft bewegen könnten. Einige führende Republikaner äußerten sich liberaler gegenüber Einwanderern und Homosexuellen, der Sprecher des Repräsentantenhauses, John Boehner, akzeptierte zwei Tage nach der Wahl sogar Obamacare mit den Worten: ” Obamacare ist jetzt Gesetz dieses Landes”.

Circa 11. Monate später erklärte eben jener John Boehner, den von seiner Partei zu verantwortenden Shutdown mit den Worten: ” Wir müssen auf die Wähler hören”.

Dabei haben die Wähler sich doch erst 2012 klar für Obama und seine Gesundheitsreform entschieden. Auch in aktuellen Umfragen sprechen sich über 70% der Amerikaner gegen den Shutdown als Druckmittel gegen Obamacare aus. Sogar jeder zweite Republikaner hält das für falsch.

Wenn Boehner also von “den Wählern” spricht, meint er nicht die Mehrheit, sondern eine kleine aggressive Minderheit, die sich vor allem in der “Tea Party” organisiert.
Viele der republikanischen Abgeordneten leben mittlerweile in einer Ein-Parteien-Welt, und haben mehr Angst vor Rechtsaußenkandidaten aus der eigenen Partei, als vor ihren demokratischen Mitbewerbern. Die Republikaner entwickeln sich immer weiter hinaus aus der gesellschaftlichen Mitte, hinein in einen politischen Fatalismus, so sagte beispielsweise Congressman Steve Pearce: “In manchen Zeiten muss man auch zu seinen Prinzipien stehen, egal was es kostet, oder wie groß die Erfolgsaussichten sind.”

Der republikanischen Basis dürften solche Sprüche gefallen, sie will Kandidaten die keine Kompromisse eingehen. Nur Kompromisse gehören seit jeher zum Selbstverständnis einer Demokratie dazu, genauso wie Mehrheitsentscheidungen. Beides versuchen die Republikaner jetzt zu unterlaufen, und schaden damit Allen, aber besonders ihrer eigenen Partei.

Mit Romney akquirierte sein Geld noch von einigen Superreichen, die dadurch versuchten persönlichen Einfluss zu gewinnen. Nachdem Romney jedoch Obama unterlag zogen sich diese Geldgeber zurück, und wurden durch Ultra Konservative Gruppen wie zum Beispiel die “Heritage Action for Amerika” ersetzt.
Diese Gruppen haben das Ziel die Republikaner immer weiter nach Rechts zu rücken, was ihnen auch gelingt. Dabei liegt ihr Fokus weniger auf Parteistrategischen sondern vor allem auf dem Ideologischen, und dazu gehört der radikale Kampf gegen Obamacare. Diese doktrinären Gruppen haben den Weg für Ted Cruz einen Senator aus Texas geebnet, der die initiale Idee hatte Obama zu erpressen.

Wie geht es nun also weiter?
Am 17. Oktober wird über die US-Amerikanische Schuldengrenze abgestimmt, wenn es zu keiner Einigung kommt, sind die Vereinigten Saaten zahlungsunfähig.
Die Folgen wären katastrophal. Auch für uns.
Bisher haben sich Republikaner und Demokraten immer noch irgendwie einigen können.
Und so bleibt uns nichts anderes übrig, als an die Vernunft der im Kern pragmatischen Republikanern wie Boehner zu appellieren, und zu hoffen dass sich die Republikaner mittelfristig wieder aus der Umklammerung der Tea Party befreien können.

Die Rückkehr der Samurai

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Spätestens seitdem man im Geschichtsunterricht den zweiten Weltkrieg durchgenommen, und damit auch von den Atombombenabwürfen der USA auf Hiroshima und Nagasaki gehört hat, weiss man, dass das Verhältnis zwischen den beiden Ländern ein besonderes ist.
Und so beobachtet die USA das erneute militärische Aufrüsten Japans mit einem gewissen Schaudern, obwohl es dafür durchaus gute Gründe gibt. Die territorialen Spannungen mit Rivale China verschärfen sich zusehends, dabei geht es primär um eine verstreute Inselgruppe im Ostchinesischen Meer.
Von April bis Juni sind 69 japanische Jets aufgrund einer vermeintlichen Bedrohung aus China gestartet.
Diese militärischen Manöver wären zwar besorgnisserregend, jedoch nicht weiter verwunderlich, wenn es sich nicht um Japan handeln würde.
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die einst martialische DNA Japans in eine pazifistische Helix eingepflanzt. Die siegreichen Amerikaner, die sicherstellen wollten, dass Japan sein imperialistisches Wüten nicht wiederholen würde, verpassten den Japanern eine pazifistische Verfassung und verpflichteten sich im Ausgleich dafür, die nationale Sicherheit Japans zu gewährleisten. Japan war frei, und konnte ein Nachkriegswirtschaftswunder, vergleichbar dem Deutschen, schaffen.
Heute, unter dem militaristischen Premierminister Shinzo Abe, der der konservativen Liberal Demokratischen Partei (LDP) angehört, weitet Japan seine militärischen Aktivitäten aus, und erwidert Ländern die vermeintlich eine Gefahr darstellen wesentlich aggressiver, als noch vor ein paar Jahren.
Um die Verfassung, die Japan eigentlich nur Verteidigungsmanöver erlaubt, umzuschreiben, braucht man eine Zweidrittelmehrheit in beiden Häusern der Gesetzgebung, außerdem ein öffentliches Referendum. Trotz dieser fast unüberwindbaren Hürden sagte Abe diesen Sommer es sei seine “historische Mission” die Verfassung zu ändern.
Um die Motivation Abes zu verstehen muss man seine Familienhistorie kennen, er ist der Sohn eines früheren Aussenministers, und der Enkel eines Premierministers.
Vor allem sein Großvater Nobusuke Kishi wollte Artikel neun der japanischen Verfassung, der so gedeutet wird, das Japan keine offensive Militärmacht besitzen darf, ändern.
In dieser konservativen Familientradition sieht sich Abe nun als derjenige, der die defensive Nachkriegsordnung beenden kann, und Japan damit wieder zu einem großen Player im Weltgeschehen machen würde.
Die Japaner lechzen nach einigen düsteren Jahren mit fast zwanzigjähriger wirtschaftlicher Stagnation, und dem verheerenden Erdbeben 2011, nach Reformen, und projizieren ihre Hoffnung auf Abe, der versprochen hat Japan ökonomisch und militärisch wieder nach vorne zu bringen, dabei aber oftmals der Versuchung erliegt antichinesische Ressentiments in der Bevölkerung zu schüren. Außerdem unterstützen ihn viele Geschichtsrevisionisten, die die Kriegsverbrechen, wie beispielsweise das Massaker von Nanking, herunterspielen wollen.
Natürlich ist Japan mittlerweile, fast 70 Jahre nach Kriegsende, ein souveränes Land das seine eigenen Entscheidungen, auch in militärischen Angelegenheiten, selbst treffen kann. Jedoch kann man auch die skeptische Sichtweise der Amis verstehen, die Angst vor einem Wiederaufblühen der martialischen Samurai Kultur haben.

Die Schwesterschaft

Sie haben die USA und damit vermutlich die ganze Welt vor einer schweren Krise bewahrt. Sie, das sind Senatorinnen, die über Parteigrenzen hinweg in letzter Sekunde einen Deal zwischen Republikanern und Demokraten möglich gemacht haben.
Die meisten der 20 Senatorinnen trafen sich am 9. Oktober um bei Pizza und Salat das Fundament eines Kompromisses zu legen.
Da nur 20 der 100 Senatoren weiblich sind, und sie von vielen ihrer männlichen Kollegen ausgegrenzt werden, halten Sie über Parteigrenzen zusammen.
Barbara Mikulski, seit 1987 gewählte demokratische Senatorin, und unumstrittene Anführerin der Frauenfraktion, rief deshalb vor 20 Jahren regelmäßige Abendessen der im Senat vertretenen Frauen ins Leben, um wie Sie sagt: “Eine Zone des Anstands” in einer ansonsten von unangemessenen Verhalten, und gängigen Chauvinismus geprägten Männerwelt zu schaffen.
Ironischerweise galt der Senat früher als eine Art privater Männer Club bei dem viele Entscheidungen auf einer persönlichen Ebene bei Zigarren und Poker ausdiskutiert wurden. Doch heutzutage scheinen diese alten Seilschaften nicht mehr zu funktionieren, außer bei den im Senat vertretenen Frauen. Babyparties sind das neue Poker.
Eine der unausgesprochenen Regeln der “Schwesternschaft”, wie Sie sich manchmal selbst nennen ist, dass sich die Senatorinnen nicht öffentlich kritisieren. Ihnen ist außerdem bewusst, dass sie persönlich mehr vereint, als politisch unterscheidet, so opportunierte die Republikaner Ayotte öffentlich gegen ihren Parteifreund Todd Akin, als dieser im Wahlkampf 2012 gegen die Demokratin McCaskill versuchte mit kruden Theorien über “legitime Vergewaltigungen” zu Punkten. McCaskill wurde wiedergewählt.
Die meisten Menschen haben intuitiv das Gefühl, dass Frauen in Machtpositionen effektiver Arbeiten als ihre männlichen Pendants.
Der Senat ist dafür das beste Beispiel: Frauen sitzen trotz ihrer numerischen Unterzahl in 10 der 20 Ausschüsse vor oder sie sind “ranking member” (in der Hierarchie direkt hinter dem Vorsitzenden). Auch die meisten der verabschiedeten Gesetze gehen auf ihr Konto. Ihre Arbeit ist so gut, dass sogar der alte Haudegen und nicht als Feminist bekannte Senator von Arizona, John McCain anerkennend sagte: “Ich bin sehr stolz auf die Arbeit dieser Frauen, überlegt nur was Sie erreichen könnten, wenn es 50 von ihnen gäbe.”
Damit weißt McCain auf eines der Hauptprobleme des Senats hin, obwohl die weiblichen Senatorinnen einen sehr guten Job machen besteht der Senat zu 80% aus Männern. Zum Vergleich: Der aktuelle Bundestag besteht zu 36% aus Frauen. 25 der 50 Staaten haben noch nie eine Senatorin nach Washington entsendet, zwar steigt die Frauenquote stetig, jedoch würde es bei gleich bleibendem Wachstum noch ca. 100 Jahre dauern, bis der Senat paritätisch wäre.
Auch der Kompromiss zur Schuldengrenze, der maßgeblich von den Frauen verhandelt wurde, wurde später von den zwei Parteivorsitzenden, beides Männer, in die Endfassung gebracht. Die Frauen hatten über ihren Kompromiss die Kontrolle verloren.
Obwohl der Einfluss der Frauen im Senat immer weiter zunimmt, wird es noch einige Jahre dauern, bis eine Frau Mehrheits- oder Minderheitsführer wird.

Präsidentschaftswahl 2016: “Clinton vs. Bush”?

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Wenn man die Augen schliesst und Assoziationsketten zu den USA bildet, kommt man nach wenigen Augenblicken unweigerlich auf Namen wie “Kennedy”, “Clinton” oder “Bush”.
Seit Generationen schon beeinflussen ein paar Familienclans die Politik der USA maßgeblich. Bei den letzten sechs Wahlen waren vier der Präsidentschaftskandidaten – Mitt Romney, George W. Bush, Al Gore und George H.W Bush – Kinder von prominenten politischen Figuren.

Aber nicht nur beim Kampf ums weiße Haus findet man bekannte Namen, auch andere politische Schlüsselfunktionen liegen in der Hand von Dynastien, so hat zum Beispiel die Tochter des früheren Vizepräsidenten, und noch früheren Verteidigungsminister (beide Male übrigens in einem Kabinett Bush) Dick Cheney, Liz Cheney erst vor ein paar Monaten ihre Kandidatur um einen Senatssitz mit den Worten: “Ich bewerbe mich, weil ich glaube, dass die Zeit für neue politische Führer gekommen ist.” angekündigt.

Man stelle sich nur einmal die Reaktion in Deutschland vor, wenn einer der Söhne Helmut Kohls, nicht mehr sich selbst bemitleidend durch die Talkshows tingeln, sondern stattdessen für sich ein politisches Amt, aufgrund seiner Abstammung fordern würde.

Spott wäre wohl noch das bestmögliche Szenario.

Doch wieso haben ausgerechnet die Vereinigten Staaten, die doch einst Königen abschworen, so ein Faible für politische Dynastien?

Dafür gibt es zwei herausstechende Gründe:

1.Die Kosten für eine Kandidatur(TV-Werbung, Wahlkampfteam etc.) sind in den USA wesentlich höher als in anderen Ländern, dadurch werden wohlhabende Kandidaten bevorzugt.

2.Die politische Landschaft in den USA ist sehr boulervardesk, sodass die Familien Dynastien teilweise mit Soap Familien verglichen werden können, denen man schon aufgrund ihres Namens eine noble Gesinnung unterstellt.

Nachdem Obama 2009 Präsident wurde, hatten viele gehofft Familienclans würden langsam aus der Mode kommen, doch auch Obama schmückt sich gerne mit glorreichen Namen, so nominierte er erst kürzlich Caroline Kennedy zur zukünftigen Botschafterin Japans.

Viele der politischen Kommentatoren erwarten 2016 eine Präsidentschaftskandidatur von Hillary Clinton, aber auch Tochter Chelsea bekommt in der “Clinton Stiftung” immer öffentlichkeitswirksamere Aufgaben, und wird auf eine politische Karriere vorbereitet.
Auf Seiten der Repuplikaner hätte Jeb Bush, Bruder von W. und ehemaliger Gouverneur von Florida, gute Aussichten auf eine Nominierung, wenn er seinen Hut in den Ring werfen würde.
Es ist also durchaus realistisch, dass 2016 das Präsidentschaftsduell “Clinton vs. Bush” heisst.

Einen Vorteil hätte diese Kombination aufjedenfall, man müsste sich keinen neuen Namen merken. Ob das aber für eine funktionierende Demokratie spricht, sei einmal dahingestellt.